Samstag, 13. Dezember 2008 15:41
Wer täglich kritisch die Zeitungen liest, stellt immer mehr fest, das der Journalismus zur reinen Hofberichterstattung degradiert ist. Allen voran versteht es die Süddeutsche Zeitung immer wieder, die beste Propaganda für Gedankengut zu publizieren, dass in einer Beschreibung als Extremismus der Mitte noch einen diplomatischen Ausdruck findet.
Aufgabe eines freien und kritischen Journalismus sollte durchaus sein, Interviews dazu zu nutzen, fragwürdige Standpunkte auf die Probe zu stellen. Das man mittlerweile in einem Interview mit dem Titel “Die Gegenwart schrumpft” Demokratie feindliche Ansichten eines wohl verirrten Soziologen namens Hartmut Rosa liest, ist schlimm genug.
Zitat:
“Gesellschaft und Wirtschaft werden schneller, aber demokratische Entscheidungsprozesse werden derzeit zeitaufwendiger, weil die Gesellschaft instabiler und pluralistischer wird. Lange Zeit galt die westliche Demokratie als das unvermeidliche Entwicklungsziel.
Jetzt kommt etwa durch den Erfolg der Chinesen in vielen Entwicklungsländern die Meinung auf: Eigentlich brauchen wir gar nicht diese umständliche repräsentative Demokratie. Da wird auch mit Geschwindigkeit argumentiert. Wenn in Singapur oder China ein Problem auftritt, wird einfach ein Gesetz erlassen und fertig. Der Westen fängt erst mal an zu diskutieren. Ich glaube, dass die Demokratie unter Druck geraten wird.”
Hierauf wurde lediglich weiterführend gefragt: “Und man kann gesellschaftlich nichts machen gegen diese Eigendynamik?”
Antwort Hartmut Rosa: “Wenig. Wie können nicht die moderne Gesellschaft ohne Beschleunigung haben….”
Darüber kann und will ich nicht mehr versuchen, sachlich zu schreiben. Daher ein Kommentar in eigener Sache:
Das vielen Menschen immer noch nicht bewusst ist, dass Hartz4 und die Ausweitung des Niedriglohnsektors nichts anderes ist, als die Schaffung eines modernen Sklavenmarktes, ist traurig genug. Warum Sklavenmarkt? Ein Sklave bekommt für seine Arbeit ein Dach über dem Kopf sowie ausreichend zu essen, sodass er nicht verhungert und arbeitsfähig bleibt. Den Millionen von Menschen, die heute Hartz4 als “Aufstockung zu ihrem Gehalt” erhalten, steht genau das zum Leben zur Verfügung, das ebenso ein Sklave erhält. Ohne Hartz4 hätte man den Billiglohnsektor in Deutschland nicht ausbauen können. Wer sagt, wir können mit der Entwicklung der Weltwirtschaft nicht mithalten, wenn wir keinen Billiglohnsektor in Deutschland haben, der sagt nichts anderes als: Wir können in Deutschland unseren Profit nicht maximieren, wenn wir keine Sklaven haben. Woher dieses Gedankengut stammt, kann man am Beispiel der Quandt Familie - siehe Video - sehr gut und einfach erkennen.
Das hierdurch die Freiheit von Menschen eingeschränkt wird, das muss man nicht erklären. Zugleich heisst die Einschränkung der Freiheit von Menschen in einem Staat auch, dass die Demokratie untergraben wird.
Erinnern wir uns zurück, dann wurde auch die Hartz4 Gesetzgebung begleitet von einer unsagbaren PR Maschinerie. Wissenschaftler, Wirtschaftsweise, selbst ernannte Eliten und ach so fähige Politiker haben uns auch damals langsam darauf vorbereitet, dass wir die Sozialschmarotzer knebeln müssen und das der Arbeitnehmer verzichten muss, damit wir Wettbewerbsfähig bleiben.
Ich kann nur hoffen, dass die Menschen in diesem Land endlich verstehen, wohin uns der Extremismus der Mitte führen soll. Nämlich in eine moderne Wirtschaftsdiktatur (und das ist keine Weltverschwörungstheorie, genau das kann man in der Süddeutschen nachlesen!). Nach Hitler nun CDU und SPD? Schönes neues Deutschland!
SZ - Link zum Artikel